10.08.22 Einsamkeit ... Winni
… sei dein Name, Stierjochrunde. Gleich am Anfang eine junge Wanderin, dann niemand mehr. Nicht mal am Delpsee, wo ebenfalls an einem Mittwoch im September 2021 fünf, sechs Wanderer unterwegs waren. Damals kam ich aus dem Rißtal hierher, um eigentlich auch noch auf das Stierjoch zu gehen. Ein Joch, dass ich bei meinem 2. Besuch des Schafreuters ins Auge gefasst hatte, da es sehr markant gegenüber stand, wenngleich im Nebel.
Keine Menschen, keine Fotos mit mir drauf. Ach ja, ich hätte die Tour auch große Kotzen-Umrundung nennen können, war mir aber zu ekelig ;-). Dafür ein Stück von Richie Kotzen
---------------------------------------------------------------------------- Hier die Etappen meiner 24,4km langen Runde, unterlegt mit 1380hm (lt. meiner GPS-Uhr): Fall (771m) – Krottenbachklamm – Delpsee (1589m) – Stierjoch (1909m) – Östliches Torjoch (1818m) – Lerchkogel Hochleger (1550m) – Lerchkogel Niederleger (1330m) – Bächental – Fall. Hier die Runde auf Brouter.de, und hier die Gegend auf fatmap.com. ----------------------------------------------------------------------------
Ich starte mit meinen 17 Sachen kurz vor 10 Uhr in Fall. Es ist wärmer als gedacht. Ich hoffe, der Wind bläst heute, wie angekündigt. Kurz auf Asphalt, weiter auf einem Wirtschaftsweg, zuletzt auf einem Wanderweg, erreiche ich nach 7km den Pfad, der mich in die Einsamkeit bringen wird.
Fein schlängelt sich der Singletrail durch den Wald hoch über dem Krottenbach, immer wieder mal leicht ausgesetzt, senkt sich dann hinunter zum Bachbett und bringt mich trockenen Fußes auf die andere Seite. Rechts oben der Schafreuter in seiner vollen Pracht, heute wohl gut besucht. Hier Einsamkeit, die sich gut anfühlt.
Nach gut 9km macht der Pfad eine Knick, wendet sich in östliche Richtung und wird deutlich steiler. Wenig später erreiche die Stelle, wo 2019 durch Schneelast eine Brücke zerstört worden ist und es seit dem unsicher war, dort bei hohem Wasserstand weiterzukommen. Seit November 2021 gibt es eine neue Brücke. Vor mir taucht das Talende auf. Im schattigen Bergwald wechsel ich zum Speedhiking. Auf einem Grat, links und rechts leicht ausgesetzt, schraube ich mich weiter hinauf. Immer wieder ausgesetzte Stellen. Eine Kurve besonders fies: schmaler, geneigter Steig voller Brösel und nix zum Festhalten. Ich erreiche den Wasserfall auf 1340hm. Unterhalb die Querung wieder hinüber auf die rechte Seite gelingt ohne nasse Füße. Weiter hin steil und leicht ausgesetzt geht es auf diesem Segment von insgesamt 2,4km rauf in Richtung Delpsee.
Es wird lichter und deutlich wärmer. Noch ein Schritt, und wie auf Knopfdruck verändert sich die Szenerie: In Sonnenlicht gebadet taucht die Almwiese am Delpsee auf. Friedlich widerkäuende Kühen gucken mich mit großen Augen an. Rechts der Blick hinauf in Richtung Tölzer Hütte und Schafreuter. Links mein nächstes Ziel, das kreuzlose Stierjoch.
Nach einer kurzen Pause gehe ich weiter. Keine Wandertafeln. Mit der Sonne im Nacken steige ich weglos links am Grenzverlauf Bayern/Tirol nach oben. Hin und wieder Trittspuren. Auch wenn es nur knapp 300hm sind, es zieht sich und strengt an. Auch unten würde es weiter gehen (Stierjochumrundung), ich aber hoffe oben auf eine spannende Kammüberschreitung zum Östl. Torjoch. Informationen hierüber sind im Netz nur spärlich zu finden.
Auf dem Stierjoch (1909m) dann ein prächtiger Blick hinüber zum Schafreuter, in voller Größe, wie ich es mir ausgemalt hatte. Toll, toll, toll! Ein feines Plätzchen, um kurz Mittag zu machen. Elektrolyte und ein Riegel.
Plan B für den Rückweg wäre über den Kotzen, auch gut von hier aus zu sehen mit seiner grünen Kuppe. Allerdings las ich, dass Wanderer den schlechten Weg und die schwierige Orientierung monierten.
Also rauf auf den Kamm und weiter, immer am Grenzverlauf entlang (Grenzstein 1844). Anders gesagt, am südlichen Grenzverlauf des Naturparks Karwendel. Oberhalb der Luderwände geht es zu einem namenlosen Gipfel. Von hier ein toller Blick auf den weiteren Weglauf zum Torjoch, leider oftmals ruppig und hin und wieder leicht ausgesetzt. Daher auch nicht so toll zu laufen, wie auf dem Kamm der Blauberge am Tegernsee.
Nach Überschreitung des Östl. Torjochs (1818m), mit Kreuz, geht es sehr steil hinunter in Richtung Lerchkegel Hochleger. Der Trail ist schrofig und sandig. Weiter unten wird er sanfter, bleibt aber steil. Ich passiere den Hochleger und laufe weiter auf einem tollen Pfad in Richtung Fall. Bald geht es über eine Almwiese, die nach Regen ziemlich batzig sein dürfte, und erreiche den Lerchkogel Niederleger.
Tipp zur Orientierung: Blickt man nahe der Alm in Richtung Fall, steht da ein kleiner einzelner Baum. Kurz dahinter beginnt der Singletrail, der mich hinunter zur Dürrach bringt, die durch das Bächental fließt.
Auf einem Wirtschaftsweg geht es weiter. Der macht eine scharfe Rechtskurve und bringt mich zu einer Brücke einer kleinen Stauanlage. Nach der Brücke kurz links bergauf, weiter auf einem Wirtschaftsweg, geht es jetzt schnusrracks in Richtung Fall. Nach gut 22km erreiche ich die Kreuzung, wo ich heute morgen in die Einsamkeit gestartet bin. Noch kurz über lästigen Asphalt, ein paar MTBler, und ich erreiche mein Auto.
Diese Tour kann ich all denen empfehlen, die mal Lust haben, der Prominenz des Vorkawendels, wie z.B. der Schafreuter oder Demeljoch, zu entkommen, um einzutauchen in eine wenig besuchte Bergwelt.
Bis bald: In the meantime: Van Morrison - Full Force Gale
Hier der Trail auf youtube: Krottenbach MTB (Vorkarwendel) Anmerkung: Das Video ist geschnitten. Die schwierigen Passagen fehlen.
|
|
|