24.08.22 Rösser am Gipfel Winni
Endlich mal wieder in die Ammergauer Alpen, in die wildromantische Ecke mit den hohen Fichten und vielen Manndln, von denen das von Ettal am bekanntesten ist. Zuletzt war ich hier fast auf den Tag genau vor 4 Jahren
Um 9:30 Uhr fahre ich auf das riesige Parkareal an der Laber-Seilbahn-Talstation in St. Gregor, sehe, dass ich für mehr als 4 Stunden 7 Euronen berappen muss, und bin so schnell wieder weg, wie ich gekommen war. Fahre 1km, lande im Himmelreich und parke da mein Auto. Nebenan auf dem Feld ein älterer Mann, prüft den Boden. Wir kommen kurz ins Gespräch und wünschen uns einen schönen Tag.
--------------------------------------------------------------- Hier die Etappen meiner 21km langen Runde, unterfüttert mit ca. 1400hm: Oberammergau (837m) - Schartenköpfe (1636m) – Laber (1682m) – Ettaler Manndl (1533m) – Soila-Alm (1339m) – Großer Aufacker (1542m) – Kleiner Aufacker (1533m) – Oberammergau. Hier die Runde auf BRouter.de und hier die Gegend auf fatmap.com ---------------------------------------------------------------- Und los geht’s, erst mal das Stück zurück zur Talstation. Dann über eine Brücke und den Schildern Laber/Schartenköpfe folgend. Bald hinein in den Wald bis zum Abzweiger Schartenköpfe. Nur für Geübte steht da, und das ist auch richtig so, denn oben wird es hakelig.
Erstmal aber geht es meist im Mischwald nach oben, bald steil. Auffallend die hohen Fichten, unten oftmals karg, oben dunkelgrün. Kurz vor dem Kamm ein paar enge Kehren in steilem Gelände und eine Kletterpassage, nicht ausgesetzt, aber hohe Stufen. Oben dann die typischen Felsformationen der Ammergauer Alpen, eigentlich Manndln, überall. Auch Weibln habe ich gesehen. Und Kindln. Diese vor allem hier nahe dem Schartenkopf.
Die Panoramen im Vergleich zu anderen, der Lage geschuldet, eher bescheiden. Notkarspitze vor Kramer vor Wetterstein. Schöne Erinnerungen!
Eine kurze Passage mit Drahtseilversicherung, nur leicht exponiert. Bei Nässe sicher notwendig. Weiter geht’s in einer traumhaft schönen Landschaft auf einem meist gut laufbaren Singletrail dem Laber entgegen. Den Gipfel selbst verpasse ich, da er vom Wanderweg aus nicht sichtbar und nicht ausgeschildert ist.
Dafür lande ich an der Bergstation der Seilbahn (1637m), ein selten hässliches Fleckchen mit Terrasse, Mastenwald und Aussichtsplattform. Heute wenigstens mit Blick auf die relativ weit entfernte Zugspitze.
Die Bahnfahrt kostet rauf und runter 19,50, dazu die 4 oder 7 Euro fürs Parken … Ich finde, das steht in keinem Verhältnis zu dem, was hier oben geboten wird. Es sei denn, man ignoriert das Schild „Für Geübte – Steig" und geht ein Stück in Richtung Schartenköpfe, oder man wandert in Richtung Ettal und kehrt beim Ettaler Manndl um. Viele aber ziehen sich wohl in die Berggaststätte zurück, denn Wanderer habe ich auf beiden Abschnitten kaum getroffen.
Die hinter mir liegenden 5km fühlen sich an wie 10km, zum Manvdl sind es noch 1,5km. Eine Runde nur über den Laber wäre also eine kurze, weswegen ich noch den Aufacker eingeplant habe. Dazu muss ich aber erstmal ein ganzes Stück hinunter – in Richtung Soilasee und Soila-Alm.
Der Abstieg ist steil und holprig. Der See ist ausgetrocknet und gleicht einer Sumpflandschaft. Ich erreiche die Alm und erkundige mich nach dem Weiterweg zum Aufacker. Den Fahrtweg weiter hinunter und dann irgendwo rechts, sagt mir die Wirtin. Hm! Einer meinte noch, es sei nach „Eschenlohe“ ausgeschildert. Mittlerweile in der stechenden Sonne laufe ich den breiten Weg weiter. Und tatsächlich lande ich an einer Tafel „Eschenlohe“.
Der nahezu weglose Pfad bringt mich hinein in den Bergwald. Der Aufacker liegt nordwestlich, Eschenlohe östlich. Da ich keine Lust habe, dauernd navigieren zu müssen, laufe ich weiter runter in Richtung Talstation Oberammergau.
Nach 11km überquere ich die Laine und stürze mich auf den ersten Brunnen (1015m) überhaupt, wasche mir den Schweiß aus dem Gesicht und genieße das kalte Wasser. 100 Meter weiter dann ist der Aufacker (1542m) explizit ausgeschildert.
Wieder in der Sonne laufe ich den breiten Fahrtweg hinauf und frage mich, ob ich diesen zweiten Anstieg von 500hm heute wirklich noch brauche. Nach weiteren 1,5km dann die Erlösung: Schatten, dazu ein kühler auffrischender Wind. Mit ausgewechseltem Kopf, einem der wieder Bock auf Anstiege hat, ziehe ich mich hoch in Richtung Gipfel des Großen Aufackers.
Ich rieche verbranntes Holz. Über mir eine kleine Rauchwolke. Da wird doch wohl nicht …
Einer, der bisher noch nichts vom Ludwigsfeuer gehört hat, kommt auf einen völlig falschen Gedanken. Noch eine Kurve und ich sehe, wie ein Trupp junger Männer unterhalb des Kreuzes einen großen Scheiterhaufen aufbauen. Daneben ca. 8 Rösser. Ich verstehe nur Bahnhof, grüße und frage nach dem Weiterweg zum Kleinen Aufacker. „Da wod Ross herkuma san“, und deutet in eine Waldlichtung.
Auf einer lustigen Wiesenautobahn, eingerahmt von Fichten, laufe ich das Stückerl rüber zum Kleinen Aufacker, kreuzlos mit Ausblick ins Estergebirge, und erahne, auf was ich mich eingelassen hätte, wäre ich die Runde anders gelaufen. „Da wod Ross herkuma san“. Sicherlich nicht auf einem steilen, schattigen Bergpfad. Also habe ich alles richtig gemacht und obendrein gut 4km dazugewonnen.
Ich laufe zurück, vorbei an den Rössern, vorbei an den fleißigen Burschen und wieder im Schatten runter nach Oberammergau. Die ersten zwei Drittel kannte ich, das letzte Drittel nicht. Das liegt voll in der Sonne. Ein Singletrail bringt mich fast nach St. Gregor nahe der Talstation. Von dort noch ein Katzensprung zum Auto.
Auf dem Weg dorthin schaue ich hoch zum Kofel, wo es ordentlich raucht. Oberammergauer verraten mir dann, was es damit auf sich hat. Jo, auch im Alter kann man noch dazu lernen.
Am Auto angekommen mache ich hinten die Klappe auf und beginne, mich umzuziehen, da kommt der ältere Herr von heute morgen auf mich zu. Ups, denke ich, jetzt wird er mich rügen, weil ich vor seinem Grundstück parke. D' Münchner, wolln se die Parkgebühr sparen.
Ne, ne, der lacht und fragt, wie es gelaufen ist. Bestimmt eine gute viertel Stunde ratschen wir, als würden wir uns schon ewig kennen, und er verrät mir die eine oder andere Tour hier in Oberammergau. Eine herzliche Begegnung ist fast so schön wie das Laufen in den Bergen. Mit einem warmen Gefühl fahre ich nach Hause.
Viele Autos kommen mir entgegen. Um 21 Uhr wird die Krone über Oberammergau erleuchten, die zahlreichen Ludwigsfeuer am Vorabend des Geburtstages von König Ludwig II. Ein Brauch, der seit 1888 stattfindet, zwei Jahre nach seinem Tod.
Bis bald In the meantime: ELUVEITIE - Aidus
Video auf youtuvbe Bergfeuer Oberammergau 24.08.2022 | König Ludwig Feuer 2022|
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