15.02.2023 Eiertanz und maulwurfen Winni Mühlbauer
Vor fünf Jahren, am 13.1.18, hatte ich hier meinen schönsten Winterlauf, an einem Traumtag, wie auch der heutige. Keine Wolke am Himmel und ungetrübte Fernsicht. Heute war sogar der Großglockner zu sehen. Etwas aber war ganz anders: der Schnee. ……………………………………………………………………………. Hier die Etappen meiner heutigen 11,3km langen und mit 425hm im Anstieg und 1250hm im Abstieg unterlegten Runde: Erfurter Hütte (1831m) – Grubascharte (2102m) - Rofanspitze (2259m) – Erfurter Hütte – Piste 2 (schwarz) – Parkplatz Talstation. Hier die Runde auf BRouter.de. …………………………………………………………………………………..
Nach der Erfurter Hütte bin ich kurz im Land der Skizwerge unterwegs, die tapfer ihre ersten Schwünge im Schnee machen. Jetzt noch wenige, am Nachmittag wuselt es.
Gleich danach beginnt für mich der Anstieg in Richtung Grubascharte. Heute wähle ich den Sommerweg, da er gut gespurt und die Lawinengefahr gering ist. Das Gelände ist weit und traumhaft schön. Es wird steiler.
Vorbei am Roßkopf erreiche ich die Scharte und der Blick wird frei auf Sagzahn und Vorderes Sonnwendjoch, und ich erinnere meine Herbstrunde 2022, die mich auch an der Schermsteinalm (Scherm ist tirolerisch für Schirm) vorbeiführte.
Noch ein gutes Stück laufe ich über weicher werdenden Schnee, dann beginnt der steile Anstieg hinauf zur Rofanspitze; und der Tanz auf Eiern.
Drei, vier schmale Spuren von Tourengehern ziehen den Hang hinauf, ich wähle die linke, wie zwei Schneeschuhgeher vor mir auch, und hoffe, so wenig wie möglich Löcher in den Hang zu stanzen.
Weich setze ich meine Schritte, und dennoch verschwindet im Dreivierteltakt eines meiner Beine bis zum Knie im fluffigen Schnee. Es ist kurz vor Mittag, aber noch früher wollte ich nicht los.
Anstrengend ist der Eiertanz mit Einsinken, mein Puls geht kaum unter die 150 Schläge. In Serpentinen geht es den nochmals steiler werdenden Hang hinauf. Die Aussicht allerdings …
... der Blick in das tiefe Blau, auf das Weiß, auf die Felsformationen … hinüber zu den Nordwänden der Hochiss, die ich im Oktober 22 besucht hatte, fantastisch. Noch ein paar Meter klettern und ich stehe wiedermal auf der Rofanspitze.
Ich setze mich, lege den Trinkrucksack ab, trinke meinen Zaubertrank, und blicke ungläubig auf zwei Tiroler, die auf Tourenskiern über den nackten Fels heraufsteigen. Bergsteigerski? Oder habe ich Pilze in den Zaubertrunk getan?
Es ist warm, windstill, wunderbar.
Ich mache mich wieder auf, klettere den Fels hinunter, stehe in der Spur und weiß, das ich heute nicht wie vor fünf Jahren locker flockig da hinuntersausen werde können.
Bald stecken abwechselnd meine Beine bis zum Anschlag, also Po, im Schnee, und als ich so feststecke und merke, dass es keine Option ist, mit dem anderen Bein zu Hilfe zu eilen, da auch dieses sofort einsackt, Arme auch, bleibt mir nur, zu maulwurfen, also mich rauszuwühlen.
Als ich wieder mal stehe, gucke ich, wo im Hang es besser gehen könnte. Weiter unten sieht es gut aus.
Mangels einer Plastiktüte (an was man nicht alles denken muss, beim Wintertrailrunning!), rutsche ich auf dem Allerwertesten ca. 50hm den Hang hinunter und hoffe, keine Lawine auszulösen, und weiß jetzt, woher der Begriff arschkalt kommt. Alles nass, bis auf die Haut, und dazu vom Regen in die Traufe gekommen, da es unten noch schwierigere Verhältnisse hat.
Ich überlege, ob es noch Sinn macht, sich immer wieder mühsam aus dem Schnee zu befreien, oder ob ich gleich zum Tiefschnee-Trailrunning übergehen sollte.
Und ausgerechnet heute habe ich auf meine wind- und wasserdichten Laufsocken verzichtet und neue Merinolaufsocken testen wollen. Sind die aber erst mal nass, dann … Immerhin trockneten die nassen Hosen eingermaßen, und auch das Wühlen fand sein Ende.
Ich erreiche die Erfurter Hütte. Damals bin ich rechts die rote Piste hinunter, heute sehe ich, dass die schwarze Strecke (2) gesperrt ist. Das kommt mir entgegen, muss ich mich doch nicht dauernd umdrehen und gucken, ob da Skifahrer kommen.
Dass ich im Fitnessstudio zu wenig die Abduktoren und Adduktoren trainiert habe, werde ich bald bereuen. Steil geht es hinunter, ich finde kaum Halt auf dem schmierigen Schnee. ................................................................................... Apropos Fitnessstudio. Nach kompletten Umbau ist "meines", groß und schick geworden, vor allem aber hat es dieses Gerät bekommen, dass ich fleißig nutze: Skill Mill .....................................................................................
Direktes Hinunterballern ist meist nicht möglich, und Schlangenlinie verlangt alles von diesen speziellen Muskelgruppen. Aber: mich schmeißt es kein einzig Mal.
Viel zu früh erreiche ich die Talstation, andererseits reicht es auch, die eiskalten Füße wollen wieder in die Wärme. Hinter mir liegen 1250hm Downhill.
Leider gibt es im Rofan keine anderen Schneeschuhtouren als die hinauf zur Rofanspitze. Das verriet mir ein Einheimischer, der solche Gruppentouren anbietet. Tourengänger sind natürlich auch abseits unterwegs, aber keine Chance für Spazierläufer wie mich.
Im Auto schaue ich, wie die Fotos geworden sind. Auf dem Display sah ich heute so gut wie nichts, also habe ich einfach drauflos geknipst (Definition: dilettantisch fotografiert). Ich denke, die Bilder können sich sehen lassen.
Bis bald. In the meantime: Wintersun - Sons of Winter and Stars | Live
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