31.05.25 Der neben mir bin ich Winni
Ein Samstag. Ich fahre eine Stunde früher los als sonst und hoffe, noch einen kostenlosen Parkplatz in Sachrang-Huben zu ergattern. Ein paar wenige Plätze waren noch frei und mir war klar, dass heute viele los sein wird. Als zweithöchster Berg der bayrischen Chiemgauer Alpen ist der Geigelstein (1808m) sehr beliebt, zumal bei toller Weitsicht so wie heute, mit beeindruckenden Panoramen.
Zudem ist der Geigelstein von drei Seiten zu besteigen, von Schleching, vom Walchsee und von Sachrang aus. Wieder wähle ich den längsten Anstieg von Huben, wenngleich die angegebenen 4 Stunden für Wanderer ein Witz sind. 3 Stunden kommen der Realität näher. 18,5km habe ich vor mir, 15km davon sind Pfad. ------------------------------------------------------ Hier die Etappen meiner 18,5km langen Runde, unterfüttert mit 1371hm. Parkplatz Sachrang-Huben (732m) – Schreck Alm (1506m), kalte Getränke in Brunnen bereitgestellt – Sulzingalm (1492m) – Oberkäser Alm (1510m), Trinkwasserbrunnen vorher – Geigelstein (1808m) – Übersteigung zum Breitenstein (1661m) – Abzweiger zur Priener Hütte – weiter geradeaus zum Karkopf (1507m) – zurück zum Abzweiger und runter zur Priener Hütte (1410m) – rauf zur Mitterkaseralm (1447m), danach große Wanne voller Trinkwasser – Bergwachthütte (1462m), Trinkwasser - Schreckalm – Parkplatz . Hier die Runde auf Brouter.de -------------------------------------------------------
Knapp die Hälfte des Wegs zum Geigelstein geht es im schattigen Bergwald hinauf, den Rest in der Sonne. Und die machte mir heute zu schaffen, obwohl ich 1,5 Liter Wasser gebunkert habe plus 0,5 Liter mit Elektrolyten. Dummerweise hatte ich meinen Zaubertrunk, meine Flüssignahrung aus Gainer, Hafermehl etc. zu Hause vergessen. Konnte mir aber unterwegs zwei Riegel besorgen. Drei Riegel insgesamt sollten reichen, den Rest hole ich mir aus dem Bauchfett. Ausreichend fettverbrennende Enzyme sollte ich noch haben.
Ich lauf los, kurz auf einem Forstweg, bald auf dem Jägersteig. Nach drei Kilometern spuckt mich der Bergwald aus und ich lande in der Sonne auf einer Weide. Kühe begrüßen mich. Auch die ersten Blümchen. Reiner, tiefblauer Himmel über mir, die Fernsicht ungetrübt. Vor einem Jahr Mitte Juni war das leider nicht so. Auch nicht das Jahr zuvor, wo ich Ende Oktober zum ersten Mal hier war.
Heute aber ein toller Blick auf den Zahmen Kaiser, den ich, ach Gott, ist das schon wieder lange her, im Oktober 2018 überschritten hatte. Ob ich das nochmal schaffe?
Weiter geht der Blick zum Wilden Kaiser, auch hier habe ich zwei Toptouren gemacht, hier und hier;
Die Fritz-Pflaum-Hütte besuche ich definitiv wieder, um oben noch ein wenig herumzustrolchen. Heute aber strolche ich hier herum, und der Weg iss noch a bisserl. Ich treffe auf vier lustige Frauen, die Fotos von mir machen. Eine meint, oben treffen wir uns dann wieder. Ich antworte charmant, ich hoffe nicht, und grinse. Treffe sie aber doch noch und höre, dass sie unter drei Stunden oben waren.
Der Gipfel ist gut besucht, die Fernsicht fantastisch, die Kitzbühler Alpen samt Kitzsteinhorn sehr gut zu sehen. Im Vordergrund zum Greifen nahe der Zahme und Wilde Kaiser. Auf der anderen Seite die Kampenwand.
Noch ein wenig verweilt und weiter geht es zum Breitenstein. Steiles, schrofiges und bröseliges Gelände gleicht zu Beginn, weiter unten dann ein wildromantischer Pfad. Ein kurze Anstieg, und unvermittelt taucht das Kreuz auf. Auch hier bin ich nicht alleine. Die Runde ist wohl bekannter, als ich vermutete.
Es folgt ein kurzer knackiger Abstieg zum Abzweiger Priener Hütte. Von hier zum Karkopf ist es ein lohnenswerter Katzensprung. Ich laufe wieder zurück und weiter runter zur Priener Hütte, die ganzjährig geöffnet hat.
Hier auf der Terrasse passiert etwas, worauf ich mir erst später einen Reim machen konnte. Zwei kräftige Kerle mit Puschen an den Füßen sitzen auf einer Bank im Schatten, den ein kleiner runder Sonnenschirm spendet. Neben ihnen, zwischen zwei Tischen, ist noch ein schattiger Platz.
Ohne sie mit einem Servus oder Griaß eich zu begrüßen, ohne sie zu fragen, ob da a Platzerl für mich frei ist, nehme ich meinen Trinkrucksack ab, lege die Stöcke an meinen okkupierten Platz und gehe ins Haus an den Tresen. Mit einer großen Apfelschorle kehre ich zurück und pflanze mich auf Tuchfühlung zu ihnen. Kaum sitze ich, ist der Krug halb leer. Die beiden gucken hin und wieder rüber, dennoch klingelt es bei mir nicht.
Erst als ich gehe, kommen wir ins Gespräch. Ob ich einer von denen sei, die die Berge rauf laufen? Ich … lange Pause … mehr oder weniger, heute eher weniger, das Alter. Na ja, alt werden wir auch ohne zu laufen. Noch ein wenig Smaltalk und ich bringe meine Runde zu Ende, bald nur noch im Downhill. Vor allem der Jägersteig am Ende ist flowig zu laufen.
Erst im Auto erinnere ich den Vorfall und mir wurde bewusst, dass ich nach diesen drei Gipfeln dehydriert war. Sorry Jungs, der neben mir war ich.
Trotz der großen Apfelschorle und weiterer 0,5 Liter Elektrolygetränk wenig später musste ich bis zum Parkplatz keinen Baum mehr heimsuchen. Auch die 1,5 Liter aus der Trinkblase waren nahezu weg. Hunger hatte ich keinen, sogar die Banane im Auto am Ende der Tour hatte ich vergessen.
Es war eine tolle Drei-Gipfel-Runde über den Goaglstoa, Broatenstoa und Karkopf, vor allem bei diesem Kaiser Wetter. Für mich neben der Kampenwandrunde 2018 (23km/1830hm) die schönste Tour in den Chiemgauer Alpen, die ich bisher gemacht habe. Die Kampenwandrunde übrigens brachte uns damals ziemlich nahe an den Geigelstein heran, an den Weitlahnerkopf.
Bis bald. In the meantime: Turnpike Troubadours – Ruby Ann
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