10.08.25 Unterwegs mit dem VO2max-Jäger Winni
Meine Freunde, sagte mein Sohn Fabian, haben am Sonntag keine Zeit, fahre ich halt wieder nach Ehrwald und laufe die Drachensee-Runde. Ich: Ohhhh, bitte nimm mich mit! Na klar! Welche Freude! Fabians Hauptmotivation ist, ein VO2max von 58-60 zu erreichen, um den nächsten 10er unter 40 Minuten laufen zu können. Aber wie dem Papa gefällt ihm diese Runde übers Tajatörl in der Mieminger-Kette, die ich das erste Mal im Juli 2018 und vor zwei Jahren im August das erste Mal mit meinem Sohn gelaufen bin. Landschaftlich ein Highlight, auch läuferisch eine Top-Tour, das Brendlkar allerdings ist technisch schwer aber ohne exponierte Stellen.
Wie oft, wenn ich das dritte Mal von einem Traillauf berichte, werden ich auch heute die Abkürzung nehmen und nicht ins Detail gehen. Die könnt ihr auf den beiden verlinkten Blogs lesen, auch die Etappen. Dort könnte ihr auch den Track herunterladen.
Der einzige Unterschied ist, dass wir heute im Abstieg einen Pfad runter zur Ehrwalder Alm gelaufen sind. Mehr dazu am Ende.
Auch wenn es ein Sonntag ist, sollte nicht zu viel los sein, auch nicht auf den Straßen. Die Tagesausflügler sind überwiegend im Urlaub und die Urlauber vor Ort können sich über die vielen Sonnentage verteilen. Zwei Stunden Fahrt aber sind es dann doch, und weil wir verspätet losfahren und es sehr heiß ist, sparen wir uns den sonnenexponierten Aufstieg über die Skipiste und gondeln rauf zur Ehrwalder Alm.
Es bleiben uns dennoch 18,5km und 1000hm im Aufstieg und knapp1400hm im Downhill. Wieder laufen wir die Runde gegen den Uhrzeigersinn, schon der Abwechslung wegen. Erst der malerische smaragdgrüne Seebensee mit Drachenkopf und Sonnenspitze im Hintergrund; im Rückblick die Zugspitze von der Südseite.
Am See wuselt es mal wieder. Fabian und ich wollen wie andere auch ins ca. 10 Grad kalte Wasser. Beim dritten Anlauf liegt Fabian auch schon genüsslich drin, mir reicht es bis zu den Oberschenkeln.
Nach der Abkühlung der kurze, knackige Aufstieg zur Coburger Hütte. Erstmal den Blick schweifen lassen auf den Drachensee und den Drachenkopf, und auch auf die vor uns liegende Aufstiegsroute zum HinterenTajatörl.
Diese teilt sich auf in drei unterschiedliche Untergründe und Landschaften: Erstmal kurz runter zum Drachensee. Dann auf einem steilen schmalen Pfad auf Schotter rauf zu einer grasigen Ebene auf gut 2000m, auf der Schafe weiden. Eine optische Oase in dieser rauen Bergwelt.
Danach queren wir auf Schotter und landen in einem Meer aus großen Felsbrocken. Weglos und steil geht es über riesige Felsblöcke hinauf in Richtung Tajatörl auf 2259m, das wir schlussendlich über einen schottrigen Pfad erreichen.
Zwei Männer, die ich schon lange beobachte, haben es sich unterhalb einer steilen Felswand im Törl gemütlich gemacht. Klar, der Blick in beide Richtungen ist eine Wucht, eine gute Idee allerdings ist es bei den derzeit häufigen Steinschlägen nicht. Wir sprechen sie an. Sie sprechen Englisch. Ja, ja, wissen wir, wir gehen auch jetzt. Gemacht haben sie es trotzdem. Kopfschüttel!
Fabian und ich blicken auf die Mondlandschaft des Brendlkars vor uns mit seinem bröseligen und schottrigen Ganghofer-Steig, der bis weit hinunter technisch schwer ist. Auf Brösel und feinem Gestein rutsche ich immer wieder nach hinten weg. Mein Mantra, nach vorne legen, Gewicht über die Füße, hilft mir wenigstens, dass ich nicht stürze.
Die 2km hinunter zum Brendlsee machen mir ganz schön zu schaffen, kein Flow weit und breit, dafür aber eine tolle Bergwelt mit feinen Lichtspielen am späten Nachmittag. Wir erfrischen uns an diesem glasklaren Naturpool inmitten rauer Felsen und laufen weiter, technisch noch immer anspruchsvoll.
Wie so oft wird der Trail erst ab der Baumgrenze bei 1700m zahmer und laufbarer. Dennoch rutsche ich in einer Kurve weg und verdrehe mir mein rechtes Bein. Dank meiner regelmäßigen Mobilisierung meiner Hüfte (Bandgeführte Distraktion) kann ich wenige Minuten später wieder beschwerdefrei Laufen.
Nach einem flowigen Waldtrail schlagen wir auf dem Forstweg zwischen Ehrewalder Alm und Seebensee auf und entdecken gleich gegenüber einen ausgeschilderten Wanderweg zur Alm, den Koatiger Weg. Der ist nochmal eine Herausforderung, aber viel schöner als der langweilige Fahrtweg. Unten angekommen kann man nicht direkt hinüber laufen zur Alm bzw. Bergstation, die Weide ist gesperrt und nur für Kühe geöffnet.
Wir laufen weiter und treffen auf die Skipiste, vor der wir uns heute früh gedrückt haben. Diese letzten drei Kilometer hinunter zur Talstation bringen unsere Oberschenkel nochmal zum Glühen. Abwechselnd machen wir längere und dann wieder ganz kurze, sehr schnelle Tippelschritte, die ganz oben in die Oberschenkel gehen.
Erschöpft aber glücklich machen wir uns auf die Heimfahrt und stehen nur einmal vor Grainau im Stau.
Es war ein gelungener Tag und ich frage mich, warum ich nur alle zwei Jahre hierher komme. Diesmal auf Einladung von meinem Sohn, was mich sehr, sehr gefreut hat. Ein wenig später im Jahr, z.B. Ende September, wenn die Sonne nicht mehr ganz so stark brennt, wäre eine gute Idee für ein Wiedersehen.
Bis bald. In the meantime: Rotting Christ - Like Father , Like Son
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