18.06.25 Gute Nachbarn Winni
Es soll ein heißer Tag werden. Punkt 9:00 Uhr stehe ich am Mauthäuschen zu den Karwendeltälern. Keiner da. Ampel steht auf Grün. Ich gebe Gas. Später erfahre ich, dass um 9:05 Uhr die Kassiererin da war, und auch, dass man ab 19:00 kostenlos einfahren kann. Aha! Die Dame arbeitet wohl von 9 bis 19 Uhr, und heute hat sie wahrscheinlich die U-Bahn verpasst. Und ich habe mir 7,00 Euronen gespart.
Ich parke bei der Gramai-Alm und spüre jetzt schon die stehende Luft in diesem Talkessel des Gramaier Grundes. Mit 1,5 Liter Wasser in der Trinkblase und 0,5 Liter Electrolytgetränk mache ich mich auf den Weg und hoffe, wenigstens noch ein Stückchen im Schatten der Berge in Richtung Aufstieg zur Lamsenjochhütte voranzukommen. Ein frommer Wunsch! ------------------------------------------------------ Hier die Etappen meiner 14km langen Runde, unterfüttert mit 1100hm: Gramai-Alm (1256m) – Lamsenjochhütte (1953m) - Westliches Lamsenjoch (1940m) – Binssattel (1906m) – Hahnkampl (2080m) – Binssattel (1906m) – Gramai Hochleger (1756m) – Gramai-Alm (1256m). Hier die Runde auf BRouter.de --------------------------------------------------------- Wenigstens steigt der Pfad über den Schotter nur leicht an und ist gut laufbar. Im letzten Drittel wird er dann steil. In zahlreichen Serpentinen schraube ich mich nach oben. Obwohl ich viel trinke, ist es mir irgendwie damisch. Ein Trost, dass man als Wanderer in 2 Stunden oben sein soll.
Ich erreiche die Kante mit gelben Wandertafeln, laufe links hinüber und erreiche die rustikale Lamsenjochhütte. Ein feines kühles Windchen weht. Auf der Toilette kippe ich mir eiskaltes Wasser über den Kopf und eine Ladung über den Rücken.
Noch ein paar Schlucke von meinem Zaubertrank, und meine Batterie ist wieder aufgeladen. Endlich habe ich Zeit und Muse, die fantastische Bergwelt zu bestaunen, vor allem die Lamsenspitze. Dann mache ich mich auf in Richtung Hahnkampl, dass ich zusammen mit Christian im Oktober 2015 überschritten habe.
Heute traue ich mir das alleine nicht zu (Schlüsselstelle sehr ausgesetzt) und umgehe den Grat zunächst auf einem Fahrtweg weiter runter und dann auf einem steilen Pfad rauf zum Binssattel. Hier ein grandioser Blick auf das Sonnjoch, dem Nachbarn vom Hahnkampl. Ich verweile und studiere die Route, die mich im Oktober 2024 auf das Sonnjoch geführt hatte.
Weiter geht es in südöstliche Richtung auf dem Kamm, im Blick das Kreuz. Zuletzt noch kurz Hand angelegt, und schon stehe nach 10 Jahren wieder hier oben. Die Panoramen in alle Richtungen einfach nur super schön. Vor allem das Sonnjoch, das ich 2015 wohl negativ halluziniert habe, da ich keine Erinnerung daran habe. Heute aber ist es zusammen mit meinen nahen Erinnerungen um so schöner.
Mich loszureißen fällt mir schwer und ich beginne den Downhill hinunter zum Binssattel. Mein nächstes Ziel ist schon zu sehen, der Gramai-Hochleger. Unterwegs ein unbeschildeter Abzweiger, von dem ich annehme, dass es der direkte Weg zum Hochleger ist. Ich bleibe auf Kurs und erreiche nach dem Binssattel auf einem feinen Pfad über ein Almgelände die bewirtschaftete Alm, den Gramai-Hochleger. Eine Labestation beim Karwendelmarsch.
Nach einer kurzen Rast laufe ich weiter, erreiche ein Gatter und erinnere (von meiner Sonnjochtour), dass es danach steil und sehr bröselig weiter runter geht. So wie im Oktober frage ich mich auch heute, wie machen es nur die guten Trailrunner beim Karwendelmarsch, die da locker runter laufen, als wäre da nichts.
Egal, wie ich es anstelle - Gewichtsverlagerung natürlich über die Füße -, gewandert, kurze Laufschritte, lange Laufschritte, rückwärts, vorwärts, seitwärts … ich rutsche wie eine Eisprinzessin in Spe.
Aber auch dieser Abschnitt geht vorbei, ohne dass ich bodenwärts gehe. Steil allerdings bleibt es.
Vor mir ein seltsamer Berg, dem ich erst heute, nach meiner Tour im Oktober 2024 auf die Rappenspitze, Beachtung schenke: Der Rauhe Knöll. Einmal, weil ich meine Aufstiegsroute an seiner Nordflanke rauf zum Lunstsattel studieren kann, zum anderen, weil ich mich frage, ob überhaupt jemand auf diesen gar nicht hübschen Berg klettert. Der bröselt ja schon, wenn man nur hinguckt. Schotterreißen wohin man blickt.
Dann habe ich dieses Video auf YouTube gefunden: Rauher Knöll
Bald erreiche ich den Talboden und laufe weiter zur Gramai-Alm. Nahezu bewegungslos hocken die Herrschaften in der Nachmittashitze auf der Terrasse und genießen Kaffe und Kuchen. Mir ist es nur nach Heimfahren und 5 Maß Bier.
Dennoch: Diese kurze Runde mit immerhin ordentlich Höhenmeter kann ich empfehlen; mir hat sie Spaß gemacht.
Bis bald. In the meantime: Ensiferum – Midsummer Magic
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