25.08.25 Streitberg Winni
Eine landschaftlich reizvolle Laufrunde wartet auf mich, eine, die vom Licht lebt, vom optimalen Sonnenstand. Mittagssonne im Hochsommer ist schon mal nicht so gut. Auch Ende August nicht.
Letztes Jahr bin ich diese Runde am 7.10.24 im Uhrzeigersinn gelaufen bei guten Lichtverhältnissen. Heute wollte ich es anders herum angehen, zumal ich den halben Aufstieg zur Rappenklammspitze an den Anfang setzen wollte. Hinten raus würde ich wieder faule Ausreden finden und es nicht tun.
Wieder parke ich kostenlos am Parkplatz P2 kurz nach Hinterriss direkt an der Riss. Der Wetterbericht sagte Temperaturen von 16 Grad voraus. Höchsttemperatur. Oben also 6 Grad im Schatten. Ich steige aus dem Auto und schon brennt mir die Sonne auf den Pelz. Manchmal verstehe ich den Wetterbericht nicht mehr, wie auch, wenn die Frösche nicht mal wissen, wie das Wetter vor zwei Tagen war.
------------------------------------------------- Hier die Etappen meiner heutigen 17,4m langen Runde, unterfüttert mit 1300hm: Parkplatz 2 (kostenlos)Hinterriss (932m)– Rhontalboden (1303m) – halber Weg rauf zur Rappenklammspitze (1618m) - Rhontalboden (1303m) - Torscharte (1815m) -Tortalalm Hochleger(1600m) - Tortalalm Niederleger mit Brunnen (1156m) – Parkplatz. Hier die Runde auf BRouter.de -------------------------------------------------
Hauptsache aber: der Himmel ist blau. Neben der Straße laufe ich ein kurzes Stück rüber zum Forstweg, der mich durch das Rhontal rauf zur Rhontalalm bringt. Nach drei Kilometern lande ich auf dem sonnendurchfluteten Rhontalboden mit seinen Bergahornen.
Kurz vor dem Abzweiger zur Rappenklammspitze mit seiner Rechststreitigkeitshistorie, treffe ich auf drei junge hübsche Japanerinnen. Ob ich doch erst …
Nein, ich biege rechts ab und laufe den halben Trail rauf in Richtung „Streitberg“, laufe hoch und freue mich aufs Runterlaufen. Die Panoramen durch den hohen Sonnenstand nicht so toll wie bei „Ludwig wandert“, der mich letztes Jahr zu dieser Tour inspiriert hatte. Vorher kannte ich diese schöne Ecke in Hinterriss nicht und bin stets vorbeigefahren.
Ach ja, wer auf die Rappenklammspitze will – bitteschön: Bergtour auf die RAPPENKLAMMSPITZE im KARWENDEL- Achtung extrem brüchig! heikler Brösel am Gipfel. Ich will wieder runter, laufe flowig auf dem Trail dahin und lande viel zu schnell an der Rhontalalm. Unterwegs treffe ich ein Wanderpärchen im Aufstieg und zwei Männer, ebenfalls auf dem Weg nach oben.
Flach geht es weiter inmitten sattem Grün, bald über ein ausgetrocknetes Flussbett und gleich gegenüber rein in den Zauberwald mit seinem lockeren Baumbestand, der immer wieder den Blick frei gibt auf die Bergspitzen vor mir. Nach zwei Felsblöcken wird es steiler und ich lande auf einer Schuttreiße.
Ich wecke meinen Stoiker in mir und steige Schritt für Schritt steil hinauf, wenngleich ich diesen Abschnitt steiler erinnere. Bald liegt das Schotterfeld hinter mir und vor mir taucht die grasbewachsene Torscharte auf.
Noch ein Stück steil nach oben und ich erreiche den Scheitelpunkt. Der Wind pfeift sein Lied. Und guck einer an, die drei Damen mit ihrer Epikanthus medialis, mit ihrer einfachen Oberlidfalte für schöne Mandelaugen, haben sich rechts drüben ein Nest gebaut.
Noch zwei Wanderpärchen und ein Herr genießen die Aussicht, sonst nicht viel los heute. Der Blick hinunter auf den vor mir liegenden Pfad verheißungsvoll, die Bergflanken fantastisch. Fein windet sich der Trail hinunter, manchmal steil und etwas bröselig, insgesamt aber unschwierig.
Ich erreiche den Tortalalm Hochleger, leider ohne Brunnen. Habe aber genug gebunkert in meiner neuen Rucksackweste. Die hat sich schon bei meinem letzten Lauf in der Mieminger Kette bewährt.
Immer wieder muss ich stehenbleiben, bin ja nicht nur zum Laufen hier, sondern auch um die Landschaft zu genießen und die Gipfel zu bestaunen. Und wenn es sich anbietet, zu quatschen. Wie mit dem Wanderer, der kurz anhält um zu trinken und mich dann mit Satz „Jetzt ist der August auch schon rum“ melancholisch macht. Uns allen fehlt der Juli.
Schnell ist die Melancholie verflogen, zu schön ist der heutige Tag hier im Karwendel.
Wieder in paar hundert Höhenmeter tiefer erreiche ich den Tortalalm Niederleger, wo es Buttermilch und Milch zu kaufen gibt. Für meinen Magen eher nix, also weiter am Torbach entlang das Tortal runter. Vor einem Jahr bin ich hier im Schatten hoch, heute geht es in der Sonne runter.
Ich erreiche den Parkplatz. Mein Auto habe ich ganz links an der Riss geparkt. Gleich daneben gibt es einen leichten Zugang zum Fluss, der heute seinem Namen alle Ehre macht. Bis zu den Waden gehe ich rein und erfrische mich mit dem kalten Schmelzwasser, ca. 10 Grad.
Jetzt, wo ich die Runde gegen den Uhrzeigersinn gelaufen bin, kann ich sagen, dass sie mich aufgrund der Lichtverhältnisse letztes Jahr mit Start im Tortal mehr begeistert hat. Allerdings geht dann der Downhill runter ins Rhontal über das erwähnte Schotterfeld. Ende September, Anfang Oktober wäre meine Empfehlung für den Zeitpunke.
Fazit: Egal wie herum, die Landschaft ist ein Traum.
Bis bald. In the meantime: GRYMHEART - Ignis Fatuus
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